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Der Raum um Wien ist ungemein reich an Lichtstöcken und Bildsäulen, reich der Zahl wie auch der Mannigfaltigkeit nach, wie nur wenige Gegenden in ganz Europa. Das „Wegkreuz“, das „Marterl“ gehören hier richtig zum Landschaftsbild, geben ihm sein kennzeichnendes Gesicht, seinen inneren Sinn, seine „Seele“. Umso erstaunlicher, dass dieser reiche Schatz von der Wissenschaft bisher so wenig beachtet worden ist. Abgesehen von der großen klassischen Arbeit Franz Hulas „Die Totenleuchten und Bildstöcke Österreichs“ (Wien 1948) – welche das ungeheure Material wohl umfassend behandelt hat, aber natürlich weder Vollständigkeit anstreben noch auf Einzeluntersuchungen und Detailfragen eingehen konnte, – gibt es nur wenige kleine Spezialarbeiten. So hat vor kurzem E. Schneeweiss (1971) die Bildstöcke, Kreuze und Wegsäulen in den Dörfern Ober- und Unterlaa sowie Rothneusiedl am südöstlichen Wiener Stadtrand untersucht, ein in dieser Art anscheinend erstmaliges, recht ergiebiges und zur Nachahmung ermutigendes Unternehmen. Alles in allem sind die Licht- und Bildmale unserer Heimat also noch weitgehend kulturhistorisches Brach- und Neuland.

Es gibt vielerlei „Hobbies“, besonders was das Sammeln betrifft: Briefmarken, Ansichtskarten, Familienphotos und Bierdeckel fallen mir auf Anhieb ein. Meine Frau sammelt Grenzsteine! Natürlich kann man die nicht - oder fast nicht - nach Hause tragen, in ein Album kleben, an die Wand hängen, eintauschen oder verkaufen. Daher werden sie bloß gezeichnet und fallweise photographiert. Das kann jedoch, wie zu zeigen sein wird, zu durchaus interessanten Ergebnissen führen.

Begonnen hat es damit, dass ein Vetter meiner Frau seine Waldviertler Besitzungen abschritt, um festzustellen, wo Grenzsteine umgestoßen, beschädigt oder versetzt worden sind - was auch vorkommen soll - und inwieweit die über 300 Jahre alten Gemarkungen seiner Grundstücke überhaupt noch auffindbar sind.